Kutterhäfen
Fisch vom Kutter in Travemünde: Fischereihafen, Zeiten und Niendorf
Harry Lüdtke erinnert sich noch an die Zeit, als mehr als 70 große Kutter im Travemünder Hafen lagen. Im November 2024 zählte er sich zu den letzten vier aktiven Berufsfischern des Orts.

„Früher war das hier ein richtiger Fischerort. Heute sind wir eine Attraktion“, sagte Lüdtke damals dem Lokalportal Travemünde Aktuell. Beides stimmt noch, und für Käufer ist es kein Nachteil. Die verbliebenen Fischer fahren nach Angaben von Travemünde Tourismus fast jeden Morgen vor Sonnenaufgang in die Lübecker Bucht hinaus und legen meist gegen 8 Uhr wieder an ihrem Liegeplatz im Fischereihafen an. Gekauft wird direkt vom Kutter aus den bunten Fischkisten an Bord oder an den Verkaufsständen an Land. Den Preis macht der Fischer vor Ort, und wer möchte, bekommt den Fisch ausgenommen und filetiert.
Wo und wann im Fischereihafen verkauft wird
Der Fischereihafen liegt an der Straße Auf dem Baggersand. Lüdtke verkauft seinen Fang aus einem kleinen weißen Verkaufshäuschen am Hafen, frischen Fisch gibt es dort täglich ab 8 Uhr. Ein blauer Verkaufscontainer im Hafen öffnete ab dem 4. November 2024 nur noch an Wochenenden und bei gutem Wetter; ob er inzwischen wieder täglich aufmacht, ließ sich nicht klären. Zur Besatzung gehört der junge Fischer Dennis Freitag, und unter den Booten ist die „Christoph“, die der Artikel legendär nennt. Lüdtke selbst ist in der alten Fischersiedlung an der Trave aufgewachsen.
Ein weiterer Stand, der Fischereibetrieb Carsten Foth gegenüber vom Fischereihafen, ist beim Portal WIR FISCHEN.SH mit täglichen Verkaufszeiten verzeichnet. Eine Bestätigung aus den Jahren 2025 oder 2026 fand sich nicht, wer gezielt dorthin will, fragt besser vorher nach. In derselben Straße sitzt die Fischverwertung Lübecker Bucht, eine Erzeugergemeinschaft der Fischer, die der Landesfischereiverband unter seinen Genossenschaften führt. Travemünde steht, anders als Niendorf ein paar Kilometer weiter, nicht auf der Anlandeliste des Portals Fisch vom Kutter. Die festen Rückkehrzeiten machen einen Besuch trotzdem gut planbar. Wer den Fisch filetiert haben möchte, sagt es am besten gleich beim Kauf, und für den Heimweg sollten Sie eine Kühltasche mit etwas Eis einpacken.
Dass es nur noch vier sind, ist kein Travemünder Sonderfall. Nach Zahlen, die die Deutsche Presse-Agentur im Januar 2026 veröffentlichte, waren in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Ende 2025 zusammen noch 285 Kutter- und Küstenfischereibetriebe im Haupterwerb registriert. Ende 2021 waren es 385, gut ein Viertel weniger in vier Jahren. Im Nebenerwerb fischten an der gesamten deutschen Ostseeküste noch 281 Betriebe. Mehr über die Menschen hinter diesen Zahlen erzählt die Seite über die letzten Fischer.
Was in den Kisten liegt

Als Brotfische der Lübecker Bucht nennt Travemünde Tourismus Dorsch, Scholle und Hering, und in den letzten Jahren taucht häufiger Seelachs auf. Fangmengen und Schonzeiten bestimmen mit, was es gibt. Lüdtke fängt vor allem Plattfische und Hering, gelegentlich auch Seelachs. Beim Dorsch ist die Lage eindeutig: Die gezielte Fischerei auf den Bestand der westlichen Ostsee bleibt 2026 geschlossen, gewerblich wie für Angler. Die Kutter dürfen ihn nur noch als Beifang anlanden, und die deutsche Beifangmenge liegt bei 57 Tonnen im ganzen Jahr. Bei der Scholle sank die deutsche Quote für 2026 um drei Prozent auf 873 Tonnen. Wie man Scholle, Hering und Seelachs am besten zubereitet, steht in der Fischkunde mit Rezepten.
Ein Hafen im Umbau
Der Fischereihafen verändert gerade sein Gesicht. Neben dem Skandinavienkai entstehen eine neue Promenade, Restaurants, Cafés und Ferienwohnungen, die neue Fischerhalle ist fertig, und der Fischereihafen ist offizieller Startpunkt der Fischbrötchenstraße. An der Kaimauer liegen weiterhin stählerne Hochseekutter neben kleinen Fischerbooten, es gibt kleine Fischlokale, Räucherfisch direkt aus dem Ofen und Fischbrötchen. In einer Bootshalle am Hafen zeigt jeden Sommer eine der größten überdachten Sandskulpturen-Ausstellungen Europas ihre Figuren. Das Nebeneinander beschreibt Lüdtkes Satz von der Attraktion ziemlich genau: Wer um 8 Uhr kommt, sieht den Fang hereinkommen, wer mittags kommt, bekommt Fisch im Brötchen.
Passat, Priwall und Ostseestation
Auf der anderen Seite der Trave liegt das Wahrzeichen des Orts. Die Viermastbark Passat wurde 1911 gebaut, 1959 kaufte die Hansestadt Lübeck das Schiff, und seit 1960 liegt es als Museumsschiff, Herberge und Veranstaltungsort im Segelschiffhafen am Priwall. Seit 1978 steht die Passat unter Denkmalschutz. Direkt am Passathafen, an der neuen Priwallpromenade, zeigt die Ostseestation Travemünde als Aquarium und Meeresmuseum, was unter der Oberfläche der Bucht lebt. Mehr über große Segelschiffe an der Küste steht auf der Seite über Hanse Sail und Windjammer.
Niendorf nebenan

Ein paar Kilometer nördlich, am Niendorfer Hafen in der Gemeinde Timmendorfer Strand, verkauft der Fischereibetrieb Peter Dietze mit dem Kutter NIE 21 seinen Fang an einem gelben Stand. Nach eigenen Angaben ist er dienstags bis sonntags von 7.30 bis 12 Uhr geöffnet, montags bleibt er zu. Räucherfisch aus der eigenen Räucherei gibt es donnerstags bis samstags und jeden zweiten Sonntag zur selben Zeit. Die Fische werden an Bord geschlachtet und ruhen über Nacht auf Eis, bevor sie verkauft werden. Dietze hat 2009 zunächst eine Ausbildung zum Binnenfischer gemacht, bevor er an die Küste wechselte. Niendorf ist auch als Anlandeort beim Portal Fisch vom Kutter gelistet, dort steht, dass er mehrmals in der Woche Frischfisch direkt vom Kutter anbietet. Wer beide Häfen an einem Vormittag verbinden möchte, beginnt gegen 8 Uhr in Travemünde und fährt danach nach Niendorf weiter, wo der Stand bis 12 Uhr offen hat, nur eben nicht montags.
Anreise und Angeln
Aus Lübeck fährt die Bahn bis in den Ort, mit drei Stationen: Skandinavienkai, Hafen und Strand. Wer selbst in der Travemünder Bucht angeln möchte, sollte wissen, dass in den Gewässern in und um Lübeck auch an der Küste zusätzlich zum Fischereischein ein Erlaubnisschein nötig ist, anders als an den meisten anderen Küstenabschnitten Schleswig-Holsteins. Lohnt sich die Fahrt zum Hafen an einem windigen Tag? Ein Blick in den Seewetterbericht am Vorabend beantwortet das meist zuverlässiger als jeder Aushang. Dennis Freitag, der junge Fischer aus Lüdtkes Mannschaft, taucht übrigens auch auf der Seite von Travemünde Tourismus auf, in einem Porträt unter der Überschrift „Zum Fischer muss man geboren sein!“.
Verzeichnis
- Frischer Fisch vom Kutter – Travemünde Tourismus
- Fischereihafen Travemünde – Travemünde Tourismus
- Fischereibetrieb Harry Lüdtke – Travemünde Aktuell, November 2024
- Genossenschaften der Fischerei – Landesfischereiverband Schleswig-Holstein
- Passat – Viermastbark von 1911
- Schupp den Fisch – Fischereibetrieb Peter Dietze, Niendorf
- Niendorf bei Fisch vom Kutter – Anlandungen in Niendorf
- Angelfischerei in Schleswig-Holstein – Fischereischein und Erlaubnisschein
Häufig gestellte Fragen
Wann kommen die Fischer in Travemünde zurück in den Hafen?
Nach Angaben von Travemünde Tourismus fahren die Berufsfischer fast jeden Morgen vor Sonnenaufgang in die Lübecker Bucht hinaus und sind meist gegen 8 Uhr wieder an ihrem Liegeplatz im Fischereihafen.
Wo genau wird in Travemünde Fisch vom Kutter verkauft?
Im Fischereihafen an der Straße Auf dem Baggersand, entweder direkt vom Kutter aus den Fischkisten an Bord oder an den Verkaufsständen an Land. Der Fischereibetrieb Harry Lüdtke verkauft aus einem kleinen weißen Verkaufshäuschen am Fischereihafen.
Wer bestimmt den Preis für Fisch vom Kutter?
Der Fischer selbst, und zwar vor Ort. Auf Wunsch wird der Fisch auch ausgenommen und filetiert.
Welche Fische werden in Travemünde angelandet?
Die klassischen Brotfische der Lübecker Bucht sind Dorsch, Scholle und Hering, in den letzten Jahren taucht häufiger auch Seelachs auf. Dorsch darf 2026 allerdings nur noch als Beifang angelandet werden, deshalb überwiegen Plattfische und Hering.
Wann hat der Fischstand in Niendorf geöffnet?
Der gelbe Verkaufsstand des Fischereibetriebs Peter Dietze am Niendorfer Hafen hat nach eigenen Angaben dienstags bis sonntags von 7.30 bis 12 Uhr geöffnet, montags ist Ruhetag. Räucherfisch gibt es donnerstags bis samstags und jeden zweiten Sonntag.
Braucht man in Travemünde einen Erlaubnisschein zum Angeln?
Ja. In den Gewässern in und um Lübeck ist auch an der Küste zusätzlich zum Fischereischein ein Erlaubnisschein nötig. Sonst gilt in den Küstengewässern Schleswig-Holsteins weitgehend freier Fischfang.
Wie kommt man mit der Bahn nach Travemünde?
Über die Strecke von Lübeck nach Travemünde, die drei Stationen im Ort bedient: Skandinavienkai, Hafen und Strand.
Seit wann liegt die Passat in Travemünde?
Die Viermastbark Passat wurde 1911 gebaut und 1959 von der Hansestadt Lübeck gekauft. Seit 1960 liegt sie als Museumsschiff am Priwall, seit 1978 steht sie unter Denkmalschutz.