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Angeln auf See

Hochseeangeln an der Nordsee: Bensersiel, Büsum, Bremerhaven und mehr

Um 6 Uhr morgens legt der Fischkutter Möwe an manchen Sommertagen in Bensersiel ab, an anderen erst um 13 Uhr. Den Fahrplan fürs Makrelenangeln schreibt an der ostfriesischen Küste die Tide.

Wellenmuster im Sand auf Langeoog
Langeoog

Der Fahrplan des Fischkutters Möwe für 2026 sieht auf den ersten Blick unordentlich aus: 6 Uhr, 7 Uhr, 8.30 Uhr, 11.30 Uhr, 13 Uhr, je nach Datum. Das hat einen einfachen Grund. Der Hafen von Bensersiel ist nur über ein ausgebaggertes Fahrwasser zu erreichen, das Bensersieler Tief, und wann ein Kutter hinaus und wieder hereinkommt, bestimmen Ebbe und Flut. Wer zum Hochseeangeln an die Nordsee fährt, plant deshalb nach der Tide, nicht nach dem Frühstück.

Makrelenangeln in Bensersiel mit dem Fischkutter Möwe

Für 2026 ist die Möwe der am besten belegte Angelkutter der deutschen Nordseeküste. Die Angelfahrten liefen an ausgewählten Tagen vom 30. Mai bis 30. August, meist von Freitag bis Sonntag, dazu an einzelnen Tagen unter der Woche. Eine Fahrt von rund fünf Stunden kostete 65 Euro, sechs Stunden 70 Euro und sieben Stunden 75 Euro, eine Leihangel jeweils 10 Euro extra. Alle Fahrten stehen unter dem Vorbehalt von Wind und Wetter. Ein Angelblog nannte 2022 für dieselben Fahrten noch 38 und 45 Euro.

Kutter Seestern auf See
Seestern

Nicht die ganze Zeit wird geangelt. Die Fanggründe liegen nach Erfahrungsberichten etwa eine Stunde entfernt, und die Kutter aus Bensersiel müssen dafür um Langeoog herum. Von einer Fahrt über fünf Stunden bleiben so ungefähr drei zum Angeln, bei sieben Stunden etwa fünf. Gefangen wird im Sommer vor allem Makrele, die nach Angaben von Angelportalen etwa in der letzten Maiwoche an der Küste auftaucht und Ende August weiterzieht. Dass der Fahrplan der Möwe genau in diesem Fenster liegt, ist kein Zufall. Eine Angelliste von 2024 gab für den Kutter 30 Plätze an, an sonnigen Ferienwochenenden ist also eine Reservierung sinnvoll.

Das Leihgerät an Bord reicht für einen ersten Versuch. Ein Angelblog, das die Kutter an der Küste vergleicht, rät allerdings dazu, eine eigene, für Makrelen passende Rute mitzubringen.

Büsum: Krabbenkutter statt Angelkutter

In Büsum sucht man einen Angelkutter derzeit vergeblich. Die MS Blauort, die im Sommer von Büsum aus zu den Makrelen und im Winter von Laboe aus zum Dorsch fuhr, wurde Ende 2023 an eine dänische Einrichtung verkauft; die letzten Fahrten waren für den 28. bis 30. Dezember 2023 angekündigt. Als Gründe nannte der Betreiber die hohen Energiekosten, die stark gekürzten Fangquoten in der Ostsee und ein Geschäft, das schon seit Jahren schwach lief. Ein Artikel von 2022 nannte sie schon damals den einzigen Kutter, der von Büsum aus noch zum Makrelenangeln hinausfuhr.

Krabbenkutter im Hafen mit Leuchtturm
Krabbenkutter

Was Büsum 2026 anbietet, ist die „Fangfahrt in See“ auf dem Krabbenkutter MS Hauke. Dabei wird ein kleines Originalnetz über den Meeresboden gezogen, die Krabben können an Bord gekocht werden, der übrige Fang geht zurück ins Wasser. Die Fahrt dauert etwa anderthalb Stunden und läuft von April bis Oktober täglich um 11, 13.15 und 15.15 Uhr. Erwachsene zahlten 2026 27,50 Euro, Kinder von 4 bis 14 Jahren 14 Euro, Familien 62,50 Euro. Mit Hochseeangeln hat das nichts zu tun, als Einblick in die Arbeit an Bord ist es trotzdem gut. Wie man die Krabben danach kauft und pult, steht auf der Seite über Krabben aus Büsum.

Bremerhaven und der Rest der Küste

Auch in Bremerhaven ließ sich für 2026 kein Angelkutter mit festem Fahrplan finden. Schon 2020 wurde ein Angler, der in einem Forum nach Tagestouren ab Bremerhaven fragte, nach Büsum, Neuharlingersiel, Cuxhaven oder Helgoland verwiesen. Bremerhaven ist für Angler trotzdem eine wichtige Adresse, allerdings eine behördliche: Das Staatliche Fischereiamt Bremerhaven überwacht die Fangregeln an der niedersächsischen Küste. Für Hafen, Museumsschiffe und Fischereigeschichte der Stadt lohnt sich ein Blick auf die Seite Fischerei erleben.

Zwischen Bensersiel und der Weser stehen weitere Kutter auf Angellisten aus dem Jahr 2024: die MS Freia und der Fischkutter Freya in Dornumersiel, die Neu Anna I in Neuharlingersiel, alle mit tideabhängigen Abfahrten zwischen Mai und September. Ob sie 2026 fahren, war nicht zu klären, eine Nachfrage im Hafen vor der Anreise spart Enttäuschungen. In List auf Sylt verkauft die Reederei Adler-Schiffe eine vierstündige Makrelenfahrt auf der „Gret Palucca“ von 7 bis 11 Uhr; Leihruten gibt es nur wenige, die Reederei empfiehlt die eigene Angel. Für Helgoland widersprechen sich die Quellen: Ein Angelportal beschreibt Fahrten in offenen Börtebooten, Angler in Foren berichten, die Anbieter hätten aufgehört.

Mindestmaße und Fangregeln

In den niedersächsischen Küstengewässern gelten die Mindestmaße der EU, gemessen von der Kopfspitze bis zum Ende der Schwanzflosse. Das Fischereiamt nennt unter anderem Hering 20 Zentimeter, Kabeljau 35, Makrele 30, Scholle 27, Wittling 27, Seezunge 24 und Wolfsbarsch 42 Zentimeter. Die vom Landesanglerverband Schleswig-Holstein zusammengestellten Werte für die Nordsee decken sich damit. Fische, die gegen diese Regeln gefangen werden, sind nach der Küstenfischereiordnung unverzüglich zurückzusetzen.

Beim Wolfsbarsch hat sich die Regel 2026 geändert. Angler dürfen im Januar und vom 1. April bis 31. Dezember höchstens drei Fische pro Tag behalten, 2025 waren es zwei. Vom 1. Februar bis 31. März gilt reines Zurücksetzen. Weil Schleswig-Holstein Zurücksetzen nicht zulässt, ist das gezielte Angeln auf Wolfsbarsch dort in diesen zwei Monaten ganz verboten. Aale dürfen Freizeitangler in den niedersächsischen Küstengewässern das ganze Jahr nicht entnehmen.

Für Kabeljau in der Nordsee führt das Fischereiamt nur das Mindestmaß auf, eine Tagesfangbegrenzung ist dort nicht genannt. Das unterscheidet die Nordsee deutlich von der westlichen Ostsee, wo das Dorschangeln 2026 das ganze Jahr verboten ist, auch für Gäste auf Angelkuttern. Nach dem Ende der Makrelenzeit verlagert sich das Kutterangeln an der Nordsee nach Angaben von Angelportalen bis etwa Mitte Oktober auf Dorsch.

Fischereischein in Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein verlangt für die Angelfischerei immer einen gültigen Fischereischein und die Fischereiabgabe, auch wenn schon in einem anderen Bundesland gezahlt wurde. Seit dem 1. Januar 2026 kostet die Abgabe online 20 Euro im Jahr, bei einer Behörde vor Ort 28 Euro. Ein Urlauberfischereischein kostet online 38 Euro. Auf gewerblichen Angelkuttern dürfen Gäste unter fachkundiger Anleitung der Besatzung allerdings auch ohne Schein angeln. Für Niedersachsen schreibt der Landesfischereiverband Weser-Ems, an der Küste brauche man in der Regel keinen Fischereischein.

Kutter der Küstenfischerei am Kai
Küstenfischerei

Nehmen Sie auch im Juli warme, wind- und wasserdichte Kleidung mit, Mütze und Handschuhe eingeschlossen. Seegang kommt an der Nordsee vor allem bei westlichen Winden ab Stärke 4 auf, und wer dafür anfällig ist, sollte laut dem Angelmagazin Blinker lieber an Land bleiben oder vor dem Ablegen ein Reisemittel nehmen. Ein Gast der Möwe empfahl in einer Bewertung Gummistiefel, ein altes Handtuch, ein Messer zum Ausnehmen und eine Kühlbox. Ohne Kühlbox kommen die Makrelen im August warm nach Hause.

Verzeichnis

Häufig gestellte Fragen

Wo kann man an der Nordsee vom Kutter aus angeln?

Mit festem Fahrplan für 2026 ist an der deutschen Nordseeküste vor allem der Fischkutter Möwe in Bensersiel belegt. Weitere Kutter in Dornumersiel und Neuharlingersiel stehen auf Angellisten der letzten Jahre, dort lohnt die direkte Nachfrage. Auf Sylt verkauft eine Reederei in List vierstündige Makrelenfahrten.

Gibt es Hochseeangeln ab Büsum?

Einen Angelkutter mit regelmäßigen Fahrten gibt es in Büsum derzeit nicht mehr. Die MS Blauort, die im Sommer von Büsum aus zu den Makrelen fuhr, wurde Ende 2023 nach Dänemark verkauft. Geblieben ist die Fangfahrt auf einem Krabbenkutter, bei der ein Netz über den Grund gezogen wird – das ist eine Schaufahrt, kein Angeln.

Was kostet eine Angelfahrt auf der Nordsee?

Beim Fischkutter Möwe in Bensersiel kosteten die Fahrten 2026 je nach Dauer 65 Euro für rund fünf, 70 Euro für rund sechs und 75 Euro für rund sieben Stunden. Eine Leihangel kommt mit 10 Euro dazu. 2022 nannte ein Angelblog für dieselben Fahrten noch 38 und 45 Euro.

Wann ist Makrelenzeit an der Nordsee?

Die Makrelen tauchen an der deutschen Küste nach Angaben von Angelportalen etwa in der letzten Maiwoche auf und ziehen Ende August weiter. Die Angelfahrten der Möwe liefen 2026 dementsprechend vom 30. Mai bis 30. August.

Braucht man zum Hochseeangeln einen Fischereischein?

In Schleswig-Holstein ist für die Angelfischerei grundsätzlich ein Fischereischein nötig. Auf gewerblichen Angelkuttern dürfen Gäste unter Anleitung der Besatzung aber auch ohne Schein angeln. Für die niedersächsische Küste gilt nach Angaben des Landesfischereiverbands Weser-Ems in der Regel keine Scheinpflicht.

Wie viele Wolfsbarsche darf man behalten?

2026 sind es höchstens drei Wolfsbarsche pro Tag mit mindestens 42 Zentimetern, 2025 waren es noch zwei. Vom 1. Februar bis 31. März ist nur Zurücksetzen erlaubt; in Schleswig-Holstein ist gezieltes Angeln auf Wolfsbarsch in dieser Zeit ganz verboten.

Darf man in der Nordsee Dorsch angeln?

Ja. Für Kabeljau gilt in den niedersächsischen Küstengewässern ein Mindestmaß von 35 Zentimetern, eine Tagesfangbegrenzung nennt das Fischereiamt nicht. Anders in der westlichen Ostsee: Dort ist das Dorschangeln 2026 das ganze Jahr verboten, auch für Gäste auf Angelkuttern.

Was sollte man zum Hochseeangeln mitnehmen?

Warme, wind- und wasserdichte Kleidung, auch im Sommer, dazu Mütze und Handschuhe. Wer zu Seekrankheit neigt, nimmt ein Mittel vor dem Ablegen oder testet zuerst eine kurze Fahrt. Für den Fang braucht man eine Kühlbox; ob an Bord Eis oder Filetiermöglichkeiten vorhanden sind, klärt man am besten bei der Buchung.